Forschungsprojekte

Forschungsprojekte

Supply Chain Management

Für das Management von globalen Versorgungsketten spielen informationstechnische Vernetzung der beteiligten Unternehmen untereinander und der physischen Flüsse mit Informationssystemen eine immer größere Rolle. Eine zentrale Bedeutung kommt hierbei s.g. Cyber-Physical Systems (CPS) als technologische Basis eines logistischen „Internets der Dinge“ zu. Die Realisierung dieser Vernetzung stellt Unternehmen vor ressourcenintensive Herausforderungen und erfordert Innovationen in betriebswirtschaftlichen, technologischen sowie informatorischen Bereichen. Selbst große Unternehmen sind gezwungen, eigene unternehmerische Ökosysteme aufzubauen, um mit dem Leistungsportfolio von Partnern die Integration zu verwirklichen. Diese Integration bewirkt eine zunehmende Transformation des eigenen Geschäftsmodells hinsichtlich neuer Leistungen, welche neue Wettbewerbsvorteile generieren können.
Der Ökosystemgedanke wird zum Beispiel im Maintenance-Management bei Lufthansa Technik zur Ersatzteilverfolgung mit RFID oder zur Absicherung von Luftfrachtcontainern durch Telematikmodule umgesetzt. Dazu hat sich Lufthansa Technik ein Ökosystem aus über sieben Partnern aufgebaut, mit deren Unterstützung die Implementierung der erforderlichen Technologien erfolgte und weiterführende Dienstleistungen für andere Airlines angeboten werden.

Vor diesem Hintergrund beantwortet das Team des Lehrstuhls in verschiedenen Forschungsprojekten die folgenden Fragestellungen:

  • Welche Partnerrollen sind für ein logistisches „Internet der Dinge“ auf Basis von Cyber Physischen Systemen wichtig und wie ist demnach ein unternehmerisches Ökosystem offen zu gestalten?
  • Wie kann der aktuelle Integrationsreifegrad hinsichtlich Cyber-Physischer Systeme identifiziert und notwendige Digitalisierungsmaßnahmen abgeleitet werden?
  • Wie können Integrationsprojekte strukturiert geplant und entstehende Mehrwerte für einen Business Case quantifiziert werden?
  • Wie ist das aktuelle Geschäftsmodell unter Berücksichtigung der zunehmenden Integration zu transformieren, um neue Leistungen (Mehrwert) anzubieten und Partnerrollen zu entlohnen?

Unternehmensführung und Controlling

Die Digitalisierung bedingt die umfassende Transformation unternehmerischer Geschäftsmodelle. Dies ist nur auf der Grundlage fundierter Digitalisierungsentscheidungen möglich. Eine angemessene Entscheidungsfundierung hat insbesondere die mit der Digitalisierung regelmäßig angestrebte Verbesserung der unternehmerischen Wertschöpfung sicherzustellen. Die Digitalisierungsentscheidung selbst, aber auch der dazugehörige Entscheidungsprozess ist bislang nur unzureichend erforscht. Die Verbesserung der diesbezüglichen Wissensbasis wird fundierte Empfehlungen für die Wirtschaftspraxis ermöglichen.

Das Forschungsprojekt soll auf mehrfache Weise praktischen Nutzen stiften:

  • Verbesserung des Verständnisses von Digitalisierungsentscheidungen
  • Ableitung eines geeigneten Modells für solche Entscheidungsprozesse
  • Messung der Entscheidungskompetenz
  • Entwicklung eines generischen Prozessmodells für die Transformation von Geschäftsmodellen

Beratungsangebote (beispielhaft):

  • Wie hoch ist meine derzeitige Kompetenz für das Treffen von Digitalisierungsentscheidungen? (Messmodell und Checkliste mit Optimierungsempfehlungen)
  • Wie sind Digitalisierungsentscheidungen zweckmäßig zu treffen? (Unterstützung durch Coaching und/oder Workshops)
  • Wie sind Entscheidungsprozesse zu fundieren? (Zielbildung, Digitalisierungsplanung, Erstellung von Business Cases zur Digitalisierung)
  • Welche Vor- und Nachteile sind bei Umsetzung von Digitalisierungsentscheidungen zu erwarten? (Ableitung aussagekräftiger Argumentenbilanzen)
  • Wie ist ein unternehmensspezifisches Prozessmodell zur Transformation einer Organisation zu gestalten? (Unterstützung durch Workshops und mit Hilfe eines IT-Werkzeugs)

Marketing

Unternehmen können durch die Digitalisierung von kundenorientierten Abläufen schneller und fundierter Entscheidungen im Hinblick auf das Management Ihres Kundenstamms treffen. Letztlich kann so sowohl der für Kunden bereit gestellte, als auch der vom Kunden abgeschöpfte Wert erhöht werden.
Grundsätzlich ist der Wert von Kundenbeziehungen für Unternehmen unbestritten, da sie werthaltige Ressourcen darstellen, deren Potenzial ausgeschöpft werden will. Unter allen Managementaufgaben kommt damit dem Management von Kundenbeziehungen automatisch ein sehr hoher Stellenwert zu. Der Trend zur Digitalisierung birgt dabei für das CRM Potenziale, die, wenn richtig umgesetzt, die Effektivität und die Effizienz des bestehenden Kundenmanagements verändern können.
So kann zum Beispiel eine permanent upgedatete Kundendatenbank, die mit Informationen aus verschiedenen sozialen Netzwerken, Loyalitätsprogrammen und Panels gespeist wird, Grundlage für eine zielgerechte Ansprache von Konsumenten sein, die Streuverluste vermeiden hilft und letztlich dazu beiträgt, den eigenen share of wallet zu maximieren.

Vor diesem Hintergrund kann die Arbeit des Lehrstuhls für Marketing bei der Beantwortung der folgenden Fragestellungen behilflich sein:

  • Welche Digitalisierungspotenziale existieren bezogen auf Kundenstamm und Leistungsangebot und wie können diese identifiziert und realisiert werden?
  • Welche weiteren Eigenschaften besitzen Kunden, die digitale Angebote favorisieren?
  • Welche digitalen Technologien sind für die skizzierten Aufgaben von Relevanz und welche quantifizierbaren Effekte hat deren Einsatz?

Marketing Intelligence

Das Management von Informationen über Anspruchsgruppen, wie z. B. Kunden und Wettbewerber, ist für Unternehmen eine zentrale Aufgabe. Neben den Angeboten der klassischen Marktforschung haben Unternehmen durch die Digitalisierung heute mehr als je zuvor vielfältige Möglichkeiten, um Informationen über Kunden und Wettbewerber zu erheben und zu speichern. Vor diesem Hintergrund ist es für Unternehmen erforderlich, organisationale Voraussetzungen zu schaffen, die den zielgerichteten und systematischen Aufbau von Marketing Intelligence auf eine effektive und effiziente Weise ermöglichen.
Beispielsweise stehen Unternehmen vor der Herausforderung, aus „Big Data“ „Smart Data“ zu generieren. Gemeint ist damit die Problematik, dass für viele Problemstellungen nicht alle erhobenen Daten von Relevanz sind, sondern lediglich Teilmengen, deren sinnvolle Kombination und Auswertung Entscheidungsprozesse unterstützen helfen.

Unser Teilprojekt zielt auf die Beantwortung der folgenden Fragestellungen ab:

  • Welche Voraussetzungen sollten Unternehmen erfüllen, um Digitalisierungspotentiale erfolgreich nutzen zu können?
  • Welche möglichen Hürden müssen dabei berücksichtigt werden?
  • Wie können diese Voraussetzungen operationalisiert und damit kontrolliert werden?
  • Welche Effekte ergeben sich für den Erfolg von Unternehmen im Markt?

Produktion und Logistik

Die Digitalisierung betrifft sämtliche Bereiche der Logistik: von der Beschaffungslogistik über die Produktionslogistik bis hin zur Distributionslogistik und der unternehmensübergreifenden Logistik im Rahmen des Supply Chain Managements. Innovative Informations- und Kommunikationstechnologien sorgen dabei für Transparenz auf der physischen Ebene von Wertschöpfungsnetzwerken und ermöglichen die operative Echtzeitsteuerung und -kontrolle im Produktions- und Logistikmanagement. Die umfassende informationstechnische Vernetzung bietet auch für strategische Fragestellungen und damit zusammenhängende Planungsaufgaben neue Gestaltungs- und Handlungsoptionen.
Der Einfluss der Digitalisierung auf die Beschaffung zeigt sich beispielsweise an der zunehmenden Verbreitung elektronischer Beschaffungsplattformen. E-Sourcing-Tools, insbesondere elektronische Auktionen (e-Auctions) versprechen die Senkung von Produkt- und Prozesskosten, stehen jedoch dauerhaften partnerschaftlichen Lieferanten-Abnehmerbeziehungen vermeintlich entgegen. Die Digitalisierung macht sich auch durch den steigenden Umsatzanteil des Online-Versandhandels bemerkbar und führt zu einem höheren Logistikaufkommen in der Vorwärts- und Rückwärtslogistik. Big Data Analytics zur Prognose der entsprechenden Stückzahlen können in diesem Rahmen gesammelte Daten als strategische Ressource verwertbar machen.

Vor diesem Hintergrund stellen sich die folgenden Fragen, bei deren Beantwortung der Lehrstuhl Unternehmen unterstützt:

  • Welche Auswirkung hat die Digitalisierung, insbesondere der Einsatz von e-Auctions, auf die Beschaffung?
  • Wie sollten e-Auctions ausgestaltet und eingesetzt werden, um die damit verbundenen Potenziale zu nutzen, aber die Beziehungsqualität der beteiligten Unternehmen nicht zu gefährden?
  • Wie können im Distanzhandel die zu erwartenden Rücksendungen geeignet modelliert werden und welche Nutzenpotenziale ergeben sich aus derartigen Vorhersagen?
  • Wie und auf Grundlage welcher Verfahren können autonome Entscheidungsprozesse in Produktion und Logistik eingesetzt werden?

Internationale Rechnungslegung

Mit der zunehmenden Digitalisierung von Geschäftsmodellen erlangen immaterielle Vermögenswerte in den Bilanzen der Unternehmen eine immer höhere Relevanz. So zeigen empirische Untersuchungen, dass bei DAX Konzernen immaterielle Vermögenswerte inzwischen im Durchschnitt 30% des gesamten Anlagevermögens umfassen. Häufig übersteigt der aktivierte Geschäfts- oder Firmenwert sogar ein Vielfaches des bilanzierten Eigenkapitals. Da immaterielle Vermögenswerte zwar einerseits Auskunft über potentielle Erfolge vermitteln, andererseits aber im Liquidationsfall mit großer Unsicherheit bezüglich ihrer Realisierbarkeit behaftet sind, stellt sich die Frage welchen Informationsgehalt externe Bilanzadressaten diesen Vermögenswerten zumessen.

Für das Management ist es im Rahmen der Kapitalbeschaffung daher bedeutsam zu wissen, welchen Einfluss die Darstellung immaterieller Werttreiber in der Unternehmensberichterstattung auf Kapitalgeber hat. Denn erst diese Information versetzt das Management in die Lage bestehende Bilanzspielräume zweckadäquat zu nutzen und die bilanzielle Abbildung bei strategischen und operativen Unternehmensentscheidungen mit zu berücksichtigen.

Vor diesem Hintergrund werden in dem vorliegenden Forschungsprojekt folgende Fragestellungen untersucht:

  • Welchen Stellenwert besitzen Informationen über immaterielle Vermögenswerte für Kapitalgeber?
  • Messen die Bilanzadressaten verschiedenen Kategorien von immateriellen Vermögenswerten unterschiedliche Bedeutung bei?
  • Wirken sich unterschiedliche bilanzielle Darstellungen von immateriellen Vermögenswerten auf die Entscheidungsprozesse der Kapitalgeber aus?
  • Hat die Digitalisierung von Geschäftsmodellen durch ihre bilanzielle Abbildung einen Einfluss auf die Entscheidungsprozesse der Kapitalgeber?

Innovationsmanagement

Digitale Technologien stellen das Innovationsmanagement vor mehreren Herausforderungen. Eine maßgebliche Rolle spielen dabei die steigende Konvergenz und Vernetzung bislang getrennter Märkte und Industrien vor allem durch die Einbettung von IuK-Technologien in physische Produkte. Dadurch entsteht für das Innovationsmanagement von großen und global agierenden Unternehmen sowie technologieintensiven KMUs die Aufgabe, Wissensaustausch und kreative Zusammenarbeit über funktionale, hierarchische und organisationale Grenzen hinweg in neuartigen Netzwerkstrukturen zu gestalten.
Konkrete Beispiele stellen Car2Car-Kommunikationssysteme oder Smart Grid-Lösungen in der Energiewirtschaft dar. Hier arbeiten Unternehmen in branchenübergreifenden Kooperationen und Innovationsecosystemen zusammen. Die Identifikation und Auswahl geeigneter Partner sowie die Gestaltung und Ausnutzung von Wissens- und Ressourcentransfers zur Generierung und Implementierung digitaler Innovationen birgt sowohl Chancen als auch Risiken.

Vor diesem Hintergrund stellen sich die folgenden Fragen, bei deren Beantwortung das Kompetenzzentrum Unternehmen unterstützt:

  • Welchen Beitrag können CIOs zu digitalen Innovationen und damit zur Schaffung von Wettbewerbsvorteilen leisten? Wie können Innovationsaktivitäten von CIOs durch die Methoden der sozialen Netzwerkanalyse unterstützt werden?
  • Wie lassen sich Cross-Industry-Innovations im digitalen Kontext gestalten?
  • Welche Risiken und Konfliktpotenziale existieren in innovativen digitalen Ecosystemen? Wie können diese Innovationsbarrieren identifiziert und effektiv gemanagt werden?
  • Welche Rolle spielen Unternehmensnetzwerke für die Implementierung digitaler Innovationen?

 

Das Kompetenzzentrum veröffentlicht seine Ergebnisse in Form von Artikeln und Studien. Hier können Sie einen Überblick aktueller Forschungsergebnisse sehen und die entsprechenden Veröffentlichungen anfragen